Uferfiltrat – Essenheimer Kunstverein

UFERFILTRAT

ESSENHEIMER KUNSTVEREIN – KUNSTFORUM RHEINHESSEN E.V.
21.01.2011 - 13.02.2011
WHITEBOX, MÜNCHEN

Kuratiert von Dr. Gabriele Rasch und Elfie Clement

 

Der Essenheimer Kunstverein zeigt seit gut 20 Jahren zeitgenössische Kunst aus dem Rhein-Main-Gebiet, Gesamtdeutschland und dem Ausland. Mit seiner Gründung ist er zur maßgeblichen Adresse für Gegenwartskunst in Mainz und dem rheinhessischen Umland geworden. Neben zahlreichen Kontakten und Kooperationen mit Galerien und Künstlern aus Berlin, Leipzig und Dresden gibt es auch ein vielseitiges Austauschprogramm mit anderen Kunstvereinen und Künstlergemeinschaften, die es ermöglichen, dass eigene ausgewählte Künstlermitglieder überregional in anderen Städten ausstellen.

 

Auch mit München gibt es seit vielen Jahren gute Beziehungen. Yangbo Zhao z.B. hatte 2006 eine große Einzelausstellung im Kunstforum. Daraus hat sich ein Austausch mit Künstlern der Domagkateliergemeinschaft ergeben, die 2009 zu Gast im  Essenheimer Kunstverein waren. Im Gegenzug werden nun im Januar 2011 elf Künstlermitglieder des Vereins nach München. Sie konnten sich für die Ausstellung in der whiteBox bewerben und wurden hinsichtlich der dortigen außergewöhnlichen Raumsituation ausgewählt. Fünf Künstlerinnen nutzen den Raum für Installationen. Katharina Fischborn zeigt eine raumhohe Arbeit aus hunderten roten Hochdrucklinien, die wie ein Vorhang in den Raum gehängt wird. Die Bildhauerin Elfie Clement wird im Untergeschoss zarte Drahtfiguren hängen, die ein bizarres Licht- und Schattenspiel auf Wände und Folien werfen und wie animierte Zeichnungen wirken. Im Untergeschoss ebenfalls zu sehen Cornelia Rössler, gebürtige Münchnerin, die eine begehbare Fotoinstallation, in der das Thema Haut und Identität eine Rolle spielt, aufbaut. Ebenso im Untergeschoss gibt Bettina Herdina Einblick in eine Art Wunderkammer, in der sie gefundenes und gesammeltes mit eigenen malerischen und zeichnerischen Zutaten skurril verfremdet und kombiniert. Uta Grün zeigt eine archaisch anmutende Wandinstallation „Rachegöttinnen“.

Sechs weitere  Positionen reichen von  Zeichnung (Martina Hahn), über Collage (Nicola Jaensch) bis zur großformatigen, figurativen (Siegfried Räth und Dagmar Bludau) und konkreten Malerei (Horst Gander). Nicole Ahland verunsichert mit ihrem im Grenzbereich zwischen Fotografie und Malerei angesiedelten Arbeiten im Obergeschoss.

 

„Uferfiltrat“ umfasst ein Auswahl von gegensätzlichen künstlerischen Positionen, die allesamt sehr eigenwillig sich dem globalen Kunstmarktgeschmack widersetzen. Angebunden an die Großstädte des Rhein-Main-Gebiets bildet die Region Rheinhessen eine wertvolle Nische, in der noch geheimnisvolle, poetische und meditative Kunst entstehen kann. Die Ufer des Rheins bieten den gemeinsamen Lebensraum der 11 ausstellenden Künstler, die räumlich und inhaltlich im positiven Sinne abseits der schnell konsumierbaren Kunstmarktware stehen. Ähnlich wie in den letzten Jahren bei Freunden des guten Essens die Bezeichnung „slowfood“ für individuelle Produkte steht,  könnte man hier von „slowart“ aus Rheinhessen sprechen.