DIE WUNDERSAME REISE DER UNNÜTZEN DINGE – Essenheimer Kunstverein

DIE WUNDERSAME REISE DER UNNÜTZEN DINGE

KATJA SCHUPP, HARTMUT SEIFERT
09.12.2010
KUNSTFORUM ESSENHEIM

Ein alter Mercedes-Sprinter biegt um die Ecke. Es ist der fünfte Klein-Transporter mit polnischem Kennzeichen, der in der letzten Viertelstunde  vorbei fuhr. Hinter dem Steuer Piotr Liszcz und neben ihm Jan Mysliwiec. Piotr war vor 15 Jahren einer der ersten, die nach Deutschland fuhren, um Sperrmüllberge zu durchforsten und alles Brauchbare – ob Regal, Teppich, Lampe, Bügeleisen, Fahrrad oder Computerbildschirm – zuhause zu verkaufen. Regelrechte Kolonnen meist polnischer Kleintransporter gehören an den Tagen vor der Sperrmüllabfuhr zum Straßenbild in den rheinhessischen Dörfern.

Kaum etwas landet heute noch auf dem Sperrmüll, der größte Teil tritt eine wundersame Reise an in den Osten.
„Am Tisch der Reichen werden auch die Hunde satt“, sagt Piotr und: „Wir sind Eindringlinge, keine Gäste. Keiner lädt uns ein. Wir müssen uns absolut unauffällig benehmen, leise sein, keinen Dreck machen, keinen Alkohol trinken.“
Für die Filmemacher war Piotr ein Glücksfall, denn die meisten Sammler meiden den Kontakt zu den Deutschen, erst recht zu jeder Kamera. Sie wissen nur zu gut, wie verbreitet die Vorurteile immer noch sind, auch fünf Jahre nach dem EU-Beitritt Polens.
Mehr als zwei Jahre arbeiteten Katja Schupp und Hartmut Seifert an dem Film. Er überzeugt mit seiner großen Nähe zu den polnischen Sperrmüllsammlern, seinem Respekt vor den so genannten „kleinen Leuten“ und erzählt in wunderbaren Bildern vom wirklichen Leben der Menschen, anrührende Geschichten, die man sobald nicht mehr vergisst. Der Zuschauer ist auf „der wundersamen Reise der unnützen Dinge“ dabei, von den rheinhessichen Dörfern bis ins Zwischenlager nach Polen und schließlich zu den polnischen Kunden. Er erfährt dabei auf eindringliche Weise, wie sich der Wert der Dinge mit jedem Kilometer verändert, den sie sich von der westlichen Wohlstandsge-
sellschaft entfernen.

Für die Idee zum Film wurden Katja Schupp und ihre polnische Kollegin Alicja Schatton  bereits von der Robert-Bosch-Stiftung mit dem Koproduktionspreis ausgezeichnet. Gefördert wurde der Film auch von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.