IM WANDEL

Gudrun Emmert & Anne Haring | Saarbrücken

Malerei | Plastik/Objekte

27. Februar bis 22. März 2026

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VERNISSAGE: Freitag, 27. Februar, 19:30 Uhr
Einführung: Eva Appel und Stephan Wiesehöfer im Gespräch mit den Künstlerinnen
Musik: Nicola Braßat (Gitarre), Irmela Freising (Cello), Daniel Reck (Klarinette) 
Weinsponsor:Weingut Wagner


Die Malerin Gudrun Emmert und die Bildhauerin Anne Haring beschäftigen sich beide mit dem Grenzbereich zwischen abstrakter und gegenständlicher Darstellung. Gudrun Emmert ermalt sich mit Formen und Farben eine Realität parallel zu der unseren. Anne Haring erkundet die Grenze zwischen plastischer Figur und Raum, zwischen Innen und Außen. 


Auf Gudrun Emmerts Bildern scheint uns alles fast vertraut. Sind das Kleinstlebewesen oder Gewebeteile, Kritzeleien oder Details in der Wohnung? Nein, die Künstlerin erfindet alles selbst – angeregt von Zufallsfunden. Dabei dürfen die gemalten Formen nicht zu benennbaren Objekten werden. Denn für sie ist „der eigentliche Bildgegenstand das Ungewisse“.

Zunächst grundiert sie den Malgrund mit irgendeiner Farbe. Die ist nur der Auslöser, um sich von Farben führen zu lassen und die Leinwand immer wieder zu übermalen: „Mich interessiert, was sich mit Farbe machen lässt.“

Reste und Ränder der übermalten Farbschichten schaffen Transparenz. Das Licht scheint aus einer Tiefe hinter den Bildern zu kommen wie bei hinterleuchteten Plakaten.

Sanftes Leuchten, Konturen weich wie Fleisch, teils unscharf durchschimmernde Farb-Ränder machen die einzelnen Arbeiten auch kombinierbar. Und das trotz ihrer großen thematischen Bandbreite. Die Bildhöhe ihrer Arbeiten ist immer dieselbe. So lassen sich ihre Bilder zu harmonischen Friesen aneinanderreihen. Wie Fensterbänder mit Blick auf augenfreundliche Kompositionen. Jedes Bild muss sich symbiotisch in den Rhythmus des Ganzen einfügen. Sonst wird es übermalt, ausgetauscht oder ein Zwischenbild schafft Abstand, Ausgleich und Raumbezug. Gudrun Emmerts Bilderfriese werden zu Raum-Installationen.

Website von Gudrun Emmert   Vita Gudrun Emmert 


Auch Anne Haring vermeidet Wiedererkennbarkeit. In ihren Plastiken von menschlichen Körpern, Rümpfen, Gliedern finden wir nichts Individuelles, nichts Situatives. Nichts erzählt über das Materielle und das Volumen hinaus. Und selbst das abstrahiert sie oft noch weiter bis zum rohen Umriss.

Die Genesis erzählt von der Erschaffung des Lebens aus dem Nichts. Anne Harings Thema liegt gar nicht weit weg:Der Gegensatz und die Beziehung zwischen Leere und Kompaktheit, zwischen leerem Raum und Figur. Es geht ihr darum, wie sich ein Innen von einem Außen trennt, um „eine Quasi-Grenze, als eigenständige Qualität.“

Wir sehen einen aufgehängten Arm, einem langen Handschuh ähnlich, und leere Bronze-Torsi oder überweite Brustpanzer. Wir sehen Organ- und Gliederteile aus bleichem Pappmaché. Formen ohne Füllung, das Fleisch, das Leben herausgerissen? Aber leere Körperteile sind ja auch ihrerseits Räume. Im Austausch mit dem leeren Raum draußen. Wie bei unseren Lungen.

Und wir sehen eine menschenähnliche Figur von der Decke hängen. Hand oder Fuß berühren den Boden. Damit macht Anne Haring Funktion, Statik und Belastbarkeit von Körperpartien zu einem Spiel. Die menschliche Figur – ein offenes System.

Per Video können wir zuschauen, wie sie ihr Thema mit dem eigenen Körper erarbeitet. Sie näht sich in einen Ganzkörper-Anzug aus Vlies ein und schneidet sich wieder frei. Mit den eigenen Händen, ohne fremde Hilfe. Solche Selbstversuche bedürfen methodischer Planung und präziser Arbeitsabläufe. Die Künstlerin Anne Haring begreift sich denn auch zugleich als Konstrukteurin, Statikerin und Ingenieurin.

Website von Anne Haring     Vita Anne Haring
 


Kuratoren-Team: Eva Appel, Elfi Braun, Stephan Wiesehöfer


Bilder © Gudrun Emmert  | Skulpturen © Anne Haring